Selbstständig als Make-up Artist – Für viele ein Traumberuf

Kassandra erzählt euch heute ihre persönliche kleine Geschichte: Von ihrem Anfang als Make-up Artist, die Entwicklung, die Schwierigkeiten und wie es heute ist.

Kassandras Anfänge

„Im Mai 2011 habe ich den ersten Schritt gemacht und ein Nebengewerbe angemeldet. Ich hatte eine Vollzeitstelle und wollte mein Business nebenbei aufbauen, ohne Druck und mit einem gesichertem Einkommen. Für meine ersten Erfahrungen als Make-up Artist war das eine tolle Sache. Ich habe viele kostenlose Projekte angenommen, um selbst praktische Erfahrungen zu machen und um mein Portfolio zu füllen. Ein paar Auftraggeber hatte ich aber dennoch. Meine ersten 200 € als Make-up Artist verdiente ich mir mit einem 5 stündigem Shooting und insgesamt 200 Kilometer Fahrt. Der Auftraggeber war sehr zufrieden und buchte mich weitere 3 mal.

Ich habe eine Homepage erstellt, mich auf vielen Fotoshooting-Plattformen angemeldet, darüber viele Shootings organisiert und auf den jeweiligen Events jede Menge Kontakte geknüpft. Ich habe immernoch sehr viel auf TFP-Basis gearbeitet um mein Portfolio zu füllen. Zwei Jahre nach meiner Gewerbeanmeldung habe ich mehrere kleine Aufträge gehabt, die mir Taschengeld eingebracht haben. Ich habe mich ständig weitergebildet und alle Branchen ausprobiert, in denen man als Make-up Artist arbeiten kann. 2013 hatte ich meine ersten 4 Bräute und in diesem Jahr habe ich bereits nur noch Teilzeit gearbeitet (25-30 Stunden pro Woche), um mehr Zeit für meine Nebentätigkeit zu haben. Außerdem habe ich mich bei meiner Make-up Schule gemeldet und gefragt wie man Dozent wird. So bekam ich die Möglichkeit  als Dozentin 2-4 Tage pro Monat zu unterrichten. Das war für mich ein großer Erfolg.“

Es kommt der Zeitpunkt, an dem man sich für  eine Sache entscheiden muss. Entweder ganz oder gar nicht

Ich musste Jobanfragen ablehnen, weil ich durch meine Anstellung nicht flexibel genug war. Natürlich wird man beim nächsten Mal gar nicht erst wieder angefragt. Zwar reichten die Aufträge noch nicht um mich komplett Selbstständig zu machen und dennoch habe ich es getan. Mir war klar, dass ich flexibler werden musste, um weitere Anfragen annehmen zu können. Also habe ich Ende 2013 meine Teilzeitanstellung gekündigt. 100 % Selbstständig als Make-up Artist! Wow!

Ab dem Zeitpunkt habe ich richtig Gas gegeben, denn jetzt war ich für meinen Lebensunterhalt ganz alleine verantwortlich. Ich habe ein Logo erstellen lassen, mir Hilfe für meine Homepage gesucht, ein tolles Profilbild erstellt und mich dem Marketing gewidmet. Ich hatte einen Auftraggeber , die Make-up Schule,    die mich regelmäßg als Dozent buchte. Zwischen 13 und 18 Tage im Monat war ich verplant, das hat den Druck etwas minimiert. Auch wenn ich in den Job sehr viel Zeit für die Vor- und Nachbereitung investierte und „nebenbei“ mein Business voranbringen wollte.

Im ersten Jahr meine Selbstständigkeit hatte ich pro Monat nur 3 freie Tage!

2014 war super anstrengend. Die Unterrichte mussten ja nicht nur gehalten werden, sondern auch vorbereitet werden. Wenn ich in der Schule war, hatte ich mit Fahrtzeit 10 Stunden Tage plus die Vorbereitungszeit. Dennoch lief erste Jahr recht schleppend: Ich hatte sehr viele Ausgaben und Investitionen, aber wenig Kunden. Die Ausgaben hatte ich dann doch sehr unterschätzt. Deshalb habe ich alle Anfragen angenommen, die nur reinkamen, egal ob es nur 50 Euro oder 100 Euro waren.

Mich hatte 2014 geschlaucht und das merkte ich auch. Daher habe ich mir im zweiten Jahr zumindest 1-2 Tage pro Woche freigehalten. Freunde waren in dieser Zeit einfach nicht in der Planung vorgesehen. Die Zeit, die ich hatte habe ich für mich, den Haushalt und meinen Partner genutzt.

2014 hatte ich ganze 8 Bräute, immerhin doppelt so viele wie im Vorjahr. Dadurch kamen auch mehr Bilder auf meine Homepage, die wiederum neue Kunden ansprachen. Das darauffolgende Jahr lief noch besser, meine Anzahl der Bräute haben sich erneut verdoppelt und auch andere Auftraggeber wurden langsam auf mich aufmerksam.

Rückschläge. Vom Kopf in den Sand stecken und wieder aufstehen.

„Mit meinem niedrigen Einkommen kam ich gerade so über die Runden. Ersparnisse hatte ich für Invesitionen (Ausbildung, Ausstattung und Homepage) aufgebraucht und mein Konto war deutlich im Minus. Dennoch hätte ich Rücklagen bilden müssen, denn im zweiten Jahr kam das Finanzamt und wollte eine Steuernachzahlung und gleichzeitig eine Vorrauszahlung fürs aktuelle Jahr haben. Das war mein persönlicher Tiefpunkt. Ich wusste einfach nicht woher ich es nehmen sollte. Ich arbeitete doch wie verrückt und warum kam nichts rum? Meine Lösung war ein Privatkredit mit dem ich auch einen Teil meiner Lebenshaltungskosten abdecken könnte. Aufgeben war für mich keine Option. „

Es geht langsam bergauf

„Ich habe angefangen unterbezahlte Jobs abzulehnen und habe mich immer mehr auf das konzentriert, was ich gut konnte: Brautstylings und Unterrichten. Ich baute meine komplette Homepage um und zeigte hauptsächlich Brautstylings. So kamen viel mehr Anfragen rein.

Außerdem traute ich mich, mehr durchzusetzen. Also forderte ich in der Schule eine Erhöhung der Tagesgage und reduzierte meine Tage. Denn ich merkte, dass ich hier nicht weiterkommen würde. So konnte ich mich auch wieder mehr auf meine Bräute konzentrieren.

2016 war dieser Umbruch und es ging langsam bergauf, 2017 war schon ein sehr gutes Jahr doch 2018 war einfach Wahnsinn!“

Jetzt lebe ich meinen Traumberuf!

„Ja, 2018 war für mich perfekt. Ich habe endlich genügend verdient und hatte dennoch Zeit, den Sommer zu genießen. Zuletzt hatte ich den Sommer bewusst 2010 genießen können. Ich konnte auch endlich wieder Shoppen gehen und mir Dinge einfach leisten. Außerdem habe ich meine Schulden komplett abbezahlt. Das ist für mich mein persönlicher Erfolg!

Es war eine harte Zeit und es hat 6 Jahre gedauert, bis sich meine Mühen langsam ausgezahlt haben. Ich hatte viele Rückschläge und aussichtslose Momente. Ich habe viel Lehrgeld bezahlt. Hätte ich jemanden gehabt, der mir zeigt, worauf es ankommt und was wichtig ist, wäre ich viel schneller ans Ziel gekommen. Und genau deswegen gibt es auch unseren Businessturbo!

Jetzt lebe ich meinen Traumberuf!“